Meine Retrospektive bei BPR

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Führungskräfte bei BPR.
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Der Ablauf im Überblick

Ziel

Rahmen schaffen, damit die Retrospektive gelingen kann – räumlich, technisch und mental.

In Präsenz

Raum & Material:

  • Besprechungsraum buchen (mind. 1 freie Wandfläche)
  • Flipchart, Moderationskarten in 2 Farben, Stifte, Klebepunkte
  • 4 Felder auf Flipchart vorbereiten: »Was lief gut? / Was bremste uns? / Was beschäftigt uns? / Was wünschen wir uns?«

Einladung:

  • Zweck benennen: »Wir schauen zurück auf [Projektphase X] und leiten Verbesserungen ab«
  • Keine detaillierte Tagesordnung – keine Vorannahmen wecken

Innere Vorbereitung:

  • Oberste Direktive verinnerlichen: Alle haben ihr Bestes gegeben
  • Eigene Bewertungen bewusst zur Seite legen
  • Rollenklarheit: Ich moderiere – ich gebe keine Lösungen vor
Online

Digitaler Raum:

  • Miro- oder EasyRetro-Board anlegen (4-Felder-Template einrichten)
  • Video-Konferenz-Link versenden
  • Kurzanleitung zum Tool mitschicken

Einladung:

  • Kamera-Pflicht kommunizieren
  • Technikcheck 15 Min. vor Start empfehlen
  • Mikro-Etikette vorab klären

Innere Vorbereitung:

  • Oberste Direktive verinnerlichen: Alle haben ihr Bestes gegeben
  • Eigene Bewertungen bewusst zur Seite legen
Empfohlene Methode
Checkliste →
Moderatorhaltung Neugier und Offenheit – keine versteckten Erwartungen. Der Aufwand für die Vorbereitung ist ein Signal an das Team: Diese Zeit ist wichtig.
Ergebnis dieses Schritts
  • Alle sind informiert
  • Raum / Board ist eingerichtet
  • Material liegt bereit
  • Technik ist getestet (online)
Ziel

Psychologische Sicherheit herstellen. Klären: Worum es geht – und worum nicht.

In Präsenz
  • Kurzen Überblick über die 5 Phasen und Gesamtdauer (ca. 90 Min.) geben
  • Spielregel 1 – Oberste Direktive vorlesen:
    »Unabhängig davon, was wir entdecken: Wir glauben daran, dass alle ihr Bestes getan haben – angesichts des Wissensstands, der Fähigkeiten und der Situation, die sie hatten.«
  • Spielregel 2 – Las-Vegas-Regel: Was in dieser Runde gesagt wird, bleibt in dieser Runde.
  • Abschließend: »Gibt es Verständnisfragen zu den Spielregeln?«
Online
  • Regeln als erste Board-Seite zeigen und reihum vorlesen lassen
  • Einverständnis per Chat-Reaktion (Daumen-hoch) einholen
  • Kurze Rundfrage: »Alle dabei? Bitte Kameras an.«
Moderatorhaltung Ruhig und klar – keine Entschuldigungen. Die Spielregeln werden gesetzt, nicht zur Abstimmung gestellt. Verlegen wirken überträgt sich auf die Gruppe.
Ergebnis dieses Schritts
  • Alle kennen die Spielregeln
  • Vertraulichkeit ist vereinbart
  • Psychologische Sicherheit ist hergestellt
Ziel

Alle wirklich ankommen lassen. Stimmung sichtbar und besprechbar machen.

In Präsenz

Methode: Teamtemperatur

  • Thermometer-Grafik auf Flipchart zeichnen (0–40°)
  • Jede Person klebt einen Punkt: Wie warm/kalt fühlt sich die Zusammenarbeit an?
  • Kurze Runde: Wer möchte, sagt 1–2 Sätze dazu

Erst weitermachen, wenn alle ihren Punkt gesetzt haben. Stille aushalten.

Online
  • Teamtemperatur als interaktives Board-Element (Schieberegler oder Klebepunkt auf Skala)
  • Jeder platziert seinen Punkt still
  • Kurze Runde mit eingeschalteter Kamera – jeder sagt 1–2 Sätze
  • Explizit bitten: »Für diese Runde bitte Kamera an.«
Empfohlene Methode
Teamtemperatur
Moderatorhaltung Nicht-bewertend und neugierig. Keine Kommentare zu einzelnen Einschätzungen. Kurz zusammenfassen: »Ich sehe eine Bandbreite – das nehmen wir als Startpunkt.« Stille ist Reflexion.
Ergebnis dieses Schritts
  • Alle haben das Wort ergriffen
  • Stimmung ist für alle sichtbar
  • Team ist angekommen
Ziel

Beobachtungen aus dem Projektalltag sammeln – sachlich, ohne Bewertung.

In Präsenz

4 Felder auf Flipchart:

  • »Was lief gut?«
  • »Was hat uns gebremst?«
  • »Was beschäftigt uns noch?«
  • »Was wünschen wir uns?«

  • 5 Min. stilles Schreiben (1 Aussage pro Karte)
  • Karten reihum vorlesen und aufhängen
  • Ähnliche Karten clustern – noch nicht diskutieren

Beispiele aus BPR-Projekten: Verzögerungen bei Genehmigungen, Schnittstellenprobleme zwischen Planung und Ausführung, gute Koordination der Gewerke.

Online

Gleiches 4-Felder-Format im Board.

  • 5 Min. stilles Schreiben (Kamera an, Mikro stumm)
  • Reihum vorlesen – Moderator zieht Karten in die passenden Bereiche
  • Digitales Clustern für alle sichtbar

Tool-Tipp: In Miro per Drag & Drop, in EasyRetro automatisch sortiert. Farben für die 4 Felder nutzen.

Empfohlene Methode
4-Felder-Karte
Moderatorhaltung Sammeln ohne Werten. Wenn Diskussionen entstehen: »Wichtiger Punkt – den nehmen wir in Phase 3 mit.« Als Führungskraft bewusst weniger Karten schreiben – sonst dominiert die Hierarchie das Bild.
Ergebnis dieses Schritts
  • Vollständiges Bild aller Perspektiven liegt vor
  • Themen sind geclustert
  • Noch keine Bewertung
Ziel

Beobachtungen verstehen. Warum ist etwas passiert? Muster erkennen. Ursachen herausarbeiten.

In Präsenz

Dot-Voting:

  • Jede Person erhält 3 Klebepunkte
  • Markierung der wichtigsten Themen
  • Die 2–3 Themen mit den meisten Punkten werden besprochen

Für ein konkretes Problem: 5 Whys

5-mal fragen: »Warum ist das passiert?«

Beispiel BPR: Genehmigungsverzögerung → Unterlagen unvollständig → Zuständigkeit unklar → Übergabeprozess fehlt → Prozess nie definiert


Systemische Leitfrage: »Was in unseren Strukturen hat das begünstigt?« – nicht »Wer war schuld?«

Online
  • Dot-Voting im Board: Jeder klickt die wichtigsten Themen an
  • 5-Whys als Whiteboard-Element live erarbeiten
  • Bei größerem Team: Breakout-Rooms (4–5 Min.) für Kleingruppenarbeit
  • Erkenntnisse live eintippen – alle sehen denselben Stand
Empfohlene Methode
Dot-Voting + 5 Whys
Moderatorhaltung Systemischer Blick: Bei BPR entstehen Probleme meist an Schnittstellen – nicht durch Einzelversagen. Eigene Interpretation zurückhalten. Offene Fragen stellen: »Was meint ihr – warum war das so?«
Ergebnis dieses Schritts
  • 2–3 wichtigste Themen benannt
  • Ursachenhypothese gemeinsam entwickelt
  • Kein Schuldiger, aber klares Muster sichtbar
Ziel

Konkrete, verbindliche Verbesserungsmaßnahmen vereinbaren. Keine Wunschliste – klare Verantwortlichkeiten.

In Präsenz

Maßnahmentabelle auf Flipchart:

  • Was genau?
  • Wer?
  • Mit wem?
  • Ergebnis / Definition of Done
  • Bis wann?

Priorisierungsfrage: »Wenn wir nur eine Sache ändern könnten – welche hätte den größten Effekt?«


Maximal 2 Maßnahmen. Laut vorlesen und explizit bestätigen lassen.

Online
  • Maßnahmentabelle im Board gemeinsam live ausfüllen
  • Screenshot oder Export direkt am Ende des Calls
  • Maßnahmen direkt ins Projektboard übertragen (MS Teams, Planner o. Ä.)

Tipp: Tabelle gemeinsam tippen – alle sehen die Formulierungen und können korrigieren. Das schafft Verbindlichkeit.

Empfohlene Methode
Maßnahmentabelle
Moderatorhaltung Disziplin und Realismus. Weniger ist mehr. Die Maßnahmen gehören dem Team – nicht selbst Lösungen vorschlagen: »Wer könnte das sinnvollerweise übernehmen?«
Ergebnis dieses Schritts
  • Max. 2 SMART-Maßnahmen vereinbart
  • Verantwortung und Fristen sind klar
  • Team hat Maßnahmen selbst gewählt
Ziel

Sauber abschließen. Stimmung einfangen. Für die nächste Retro lernen.

In Präsenz

Blitzlicht-Runde: Jede Person sagt reihum in 1–2 Sätzen:

  • Wie verlasse ich diese Retro?
  • Was nehme ich mit?

Optional – Feedback zur Retro selbst:

  • Was hat heute gut funktioniert?
  • Was ändern wir beim nächsten Mal?

Nächsten Retro-Termin direkt festlegen.

Online
  • Blitzlicht per Kamera-Runde (reihum)
  • Optional: Anonymes Feedback per Abstimmungstool (1–5 Skala)
  • Nächsten Termin direkt im Call buchen und versenden
Empfohlene Methode
Blitzlicht
Moderatorhaltung Dankbar und abschließend – ohne Übertreibung. Als Führungskraft zeigen: »Ich habe heute auch etwas gelernt.« Das ist ein Signal, dass Reflexion ernst genommen wird.
Ergebnis dieses Schritts
  • Team verlässt die Retro mit gutem Abschluss
  • Nächste Retro ist terminiert
  • Impuls: »Das hat sich gelohnt«
Ziel

Ergebnisse sichern. Grundlage für die nächste Retro legen.

In Präsenz
  • Maßnahmentabelle fotografieren
  • Ins Teamboard übertragen (physisch oder digital)
  • Kurzes Protokoll versenden: nur die Vereinbarungen – kein Gesprächsprotokoll
  • Nächsten Retro-Termin in Kalender eintragen
Online
  • Board exportieren / Screenshot speichern
  • Maßnahmen ins Projektboard übertragen (MS Teams, Planner)
  • Protokoll-E-Mail innerhalb von 24 Stunden versenden
  • Nächsten Termin verschicken
Moderatorhaltung Verbindlich und zuverlässig. Die Qualität der Nachbereitung signalisiert, wie ernst die Retro genommen wird. Wer Wochen wartet, bevor Maßnahmen sichtbar werden, untergräbt das Vertrauen ins Format.
Ergebnis dieses Schritts
  • Maßnahmen dokumentiert und sichtbar
  • Team sieht: Es wird nachgehalten
  • Nächste Retro terminiert

Häufige Stolperfallen

Keine psychologische Sicherheit
Hierarchie hemmt ehrliches Feedback
Was dagegen hilftOberste Direktive vorlesen und leben. Eigene Karten reduzieren. Aktiv nachfragen: »Was hat euch wirklich gebremst?«
Immer die gleiche Methode
Routine tötet Energie
Was dagegen hilftMethoden abwechseln. retromat.org/de bietet über 100 Ideen für alle 5 Phasen.
Maßnahmen ohne Follow-up
Wer nicht nachfragt, signalisiert: nicht ernst gemeint
Was dagegen hilftJede Retro startet mit: »Was haben wir uns versprochen – was ist passiert?«
Führungskraft gibt Lösungen vor
Team gibt Verantwortung ab
Was dagegen hilftOffene Fragen stellen statt Antworten geben. Die Lösung gehört dem Team.
Schuldzuweisungen
Ohne Prime-Directive-Haltung wird Reflexion zum Tribunal
Was dagegen hilftSystemisch fragen: »Was in unseren Prozessen hat das begünstigt?« – nie »Wer war schuld?«
Zu viele Maßnahmen
5 Punkte auf der Liste – nichts wird umgesetzt
Was dagegen hilftMaximal 2 Maßnahmen pro Retro – lieber weniger, aber verbindlich.

Begleitmaterialien & Ressourcen